Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsgruppe Öhringen

ADFC-Symposium „Gesundheit x Mobilität“

Der ADFC nimmt das Thema Gesundheit noch stärker in den Blick und veranstaltete am 14. Oktober das Internationale Symposium „Gesundheit x Mobilität – Radverkehr als Investition in unsere Zukunft“.

Internationales ADFC-Symposium "Gesundheit x Mobilität": Sprecherin mit Publikum und Kameramann
Auf dem Internationalen ADFC-Symposium hielt Prof. Dr. Meredith Glaser vom Urban Cycling Institute eine Keynote. © ADFC/Deckbar Photographie

Radfahren hält fit, stärkt das Wohlbefinden und bringt Bewegung in den Alltag. Trotzdem wird das Potenzial bislang nicht ausreichend genutzt. Wie lässt sich das ändern und welche politischen, gesellschaftlichen und planerischen Voraussetzungen sind dafür notwendig? Die Fragen standen im Mittelpunkt des internationalen ADFC-Symposiums „Gesundheit x Mobilität – Radverkehr als Investition in unsere Zukunft“ am 14. Oktober 2026 in Berlin. 

Der ADFC brachte dafür Vertreter:innen und Entscheider:innen aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Gesundheitswesen, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft zusammen. Gemeinsam diskutierten sie über Wege zu einer gesünderen und nachhaltigeren Mobilität. 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie das Fahrrad noch stärker als Hebel für Gesundheit, Lebensqualität und lebenswerte Städte und Gemeinden genutzt werden kann. Schwerpunkte waren sichere Infrastruktur, Prävention und eine bessere Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg.

Bewegung ist Prävention, aber Bewegung und die Öffentliche Gesundheit („Public Health“) brauchen auch Bedingungen, die es ermöglichen, dass Menschen sich gut und gerne bewegen können, dass wurde schon in der Eröffnungsrede von Dr. Johannes Nießen vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit deutlich.

Sichere Infrastruktur als Investition in die Gesundheit

Dass Radfahren für Körper, Geist, Umwelt, Klima und Lebensqualität gut ist, ist wissenschaftlich ausreichend belegt. Die zentrale Frage ist, wie die Gestaltung von Straßen und öffentlichen Räumen mehr Menschen dazu bewegen kann, Alltagswege aktiv zurückzulegen. Durchgängige, sichere und komfortable Radwegenetze schaffen dafür die notwendige Grundlage. Sie ermöglichen Bewegung im Alltag, stärken die selbstständige Mobilität und können dazu beitragen, Lärm, Luftschadstoffe und Gesundheitskosten zu reduzieren.

Internationale Perspektiven lieferten unter anderem Francesca Racioppi vom WHO-Regionalbüro für Europa, Prof. Dr. Meredith Glaser vom Urban Cycling Institute und Lucy Saunders, die den Ansatz „Healthy Streets“ entwickelt hat. Ihre Expertise verbindet gesundheitliche Erkenntnisse mit konkreten Ansätzen für eine gesundheitsorientierte Verkehrs- und Stadtplanung.

Mobilität für alle Generationen

Wie Menschen Mobilität erleben, hängt von ihren individuellen Lebenssituationen ab. Kinder und Jugendliche brauchen sichere Wege, ältere Menschen möchten ihre Selbstständigkeit erhalten, und Berufspendelnde benötigen alltagstaugliche Alternativen zum Auto. Auch gesundheitliche Einschränkungen können darüber entscheiden, ob Menschen sich sicher und selbstbestimmt bewegen können.

Das Symposium nahm deshalb unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensphasen in den Blick. Die Diskussionen befassten sich unter anderem damit, wie Radverkehr generationengerecht gestaltet werden kann und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit mehr Menschen von den gesundheitlichen Vorteilen aktiver Mobilität profitieren.

Gesundheit und Verkehr gemeinsam gestalten

In drei parallelen Sessions diskutierten die Teilnehmenden über Infrastruktur als Gesundheits- und Wirtschaftsinvestition, generationengerechte Bewegungsförderung sowie die ressortübergreifende Zusammenarbeit. Das Symposium des ADFC verdeutlichte, dass Gesundheitsförderung, Prävention, Verkehrsplanung und Stadtentwicklung stärker zusammenarbeiten müssen, damit aus wissenschaftlichen Erkenntnissen auch konkrete und spürbare Verbesserungen entstehen. Auch Zuständigkeiten, Förderprogramme und Finanzierungsstrukturen müssen besser ineinandergreifen. 

ADFC-Appell an die Politik

Wie wichtig dafür verlässliche Rahmenbedingungen und neue Formen der Zusammenarbeit sind, wurde im Umsetzungsforum deutlich, als Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Krankenkassen, Wirtschaft und ADFC darüber diskutierten, welchen Beitrag ihr Bereich jeweils leisten kann, wo es neue Kooperationen braucht und welche politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um das Potenzial des Radfahrens für eine gesunde und aktive Alltagsmobilität besser zu nutzen.

Mit seinem Appell an die Gesundheits- und Verkehrspolitik zieht der ADFC eine zentrale politische Schlussfolgerung aus dem Symposium: Gesundheit und Prävention sollen künftig stärker mitentscheiden, welchen Stellenwert der Radverkehr erhält und wie Radverkehrsinfrastruktur geplant, bewertet und gefördert wird. „Radinfrastruktur ist auch Gesundheitsinfrastruktur“, wie der ADFC-Bundesvorsitzende Frank Masurat sagte.

Daraus folgt auch: Der Bund muss dem Radverkehr politisch mehr Gewicht geben und es muss eine dauerhaft verlässliche Finanzierung der Radverkehrsinfrastruktur geben – Verlässlichkeit der Politik und der Finanzen wurden auch im Umsetzungsforum von Wirtschaft, Kommunen und Verbänden eingefordert.

ADFC bringt Perspektiven zusammen

Länder und Kommunen sind ebenfalls gefragt: Sie müssen Gesundheit und aktive Mobilität stärker in ihrer Verkehrs- und Infrastrukturpolitik verankern und vor Ort die Voraussetzungen schaffen, dass Menschen im Alltag sicher und gerne zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein können.

Die Politische ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann fasste es so zusammen: „Gesundheit, Prävention und Mobilität folgen nicht automatisch denselben Logiken und Zuständigkeiten. Aber genau hier kann ein unabhängiger Verband wie der ADFC eine besondere Rolle spielen: Wir können Fragen stellen, die nicht an einer Ressortgrenze enden, und unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen.“ 

Das ist dem ADFC mit dem Symposium hervorragend gelungen – darüber waren sich Podiumsgäste und Teilnehmer:innen einig.


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